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Residenzschloss des Tsaren
#13

Handlung
Die Belagerung am Winterpalast zieht sich wie ein dunkler Ring durch Prodowski und mit jedem Tag werden die Linien klarer, die das Reich der Politik vom Reich des Aberglaubens trennen.

Andro hat die Stadt praktisch eingenommen. Panzerketten rillen die Zufahrtsstraßen, Straßenkreuzungen sind mit improvisierten Check-Points gesperrt, Kampfhubschrauber kreisen über der Altstadt. Die Propaganda der Sovietföderation schallt durch improvisierten Lautsprecher: „Frieden und Ordnung kehren zurück.“ In vielen Vierteln funktioniert das: Menschen, die jahrelang unter willkürlicher Gewalt litten, hängen weiße Tücher aus, holen Vorräte aus dem Keller und rufen „Befreier!“.
Gleichzeitig setzt Andro Druckmittel ein, die nichts mit Feuerkraft zu tun haben: Überall tauchen Flugblätter auf, man verbreiten gezielte Gerüchte über geplante „Säuberungen“ durch den Tsaren und lokale Kollaborateure werden öffentlich bloßgestellt oder plötzlich nicht mehr gesehen. Die Besatzungsmacht will eine schnelle Stabilisierung und dafür ist ihr jedes Mittel recht.

Im Palast ist die Lage anders als jene Bilder, die auf den Straßen kursieren. Igor VI. ist nicht einfach in einem Salon eingeschlossen, er ist in die unteren Schichten des Schlosses eingesunken, in die alten Kelleranlagen, Bibliotheken aus schwarzem Stein, Labyrinthe, die noch vor Jahrhunderten für Geheimkulte genutzt wurden. Seine verbliebenen Leibwächter schwören Einkehr und Gehorsam; einige Priester um den Zar intonieren nächtliche Liturgien, andere führen rituelle Akte durch, deren Zweck langsam mehr ist als nur Symbolik. Ob es reine Psychospielchen sind, mittelalterliche Mythen, die politisch instrumentalisiert werden oder tatsächlich etwas Übernatürliches, ist letztlich egal, Hauptsache bleibt die letzten Truppen sind loyal.
Der Druck der Belagerung hat zwei Dinge bewirkt: Panik und Verklärung. Während einige Palastbedienstete fliehen oder heimlich Kontakte zu den androsovietischen Kommandeuren suchen, klammern sich andere an die Person des Tsaren als letzte Konstante. In den Nebenkorridoren des Palastes erfährt man von verschwundenen Dienern, von verschlossenen Türen hinter denen „Arbeiten für das Heil des Landes“ stattfinden und von einem Keller, den selbst die vertrautesten Offiziere meiden.

Prodowski ist gespalten. In dem einen Teil befinden sich Andros Soldaten, Nahrungsmittelausgaben und Menschen, die zum ersten Mal seit Jahren wieder fließendes Wasser sehen. In dem anderen Teil wachsen Misstrauen, Gerüchte und Überlebensnot. Straßenblockaden behindern den Verkehr, provisorische Krankenstationen arbeiten mit Kerzenlicht und ganze Straßenzüge dienen als Treffpunkte für eine zaghaft erblühende Zivilgesellschaft.
Gerüchte nehmen Gestalt an: Manche erzählen von nächtlichen Schreien oder Lichtern, die in den Turmfenstern tanzen. 
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Residenzschloss des Tsaren - von Informationsdienst - 10.10.12024, 19:46
RE: Residenzschloss des Tsaren - von Tsar Igor VI. - 10.10.12024, 23:08
RE: Residenzschloss des Tsaren - von Tsar Igor VI. - 11.10.12024, 21:47
RE: Residenzschloss des Tsaren - von Tsar Igor VI. - 14.10.12024, 23:06
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RE: Residenzschloss des Tsaren - von Tsar Igor VI. - 27.03.12025, 08:36
RE: Residenzschloss des Tsaren - von Daria Pavlovna Kravtsova - 20.07.12025, 09:12
RE: Residenzschloss des Tsaren - von Jekaterina Alexandrowa Raschnikowa - 05.08.12025, 22:11
RE: Residenzschloss des Tsaren - von Jekaterina Alexandrowa Raschnikowa - 15.08.12025, 21:19

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