10.01.12026, 01:34
Morgen des dritten Tages der Proteste
Die Gerüchte liefen wie ein Lauffeuer durch die Nachbarschaft: Festnahmen überall, Leute, die nie wieder gesehen wurden, andere, die mit blauen Flecken nach Hause kamen. Ich ging zur Schule, weil ich wissen wollte, ob die Lehrerin sicher ist. Ihre Tür war verschlossen, einige Fensterläden zerschlagen; Papierfetzen wehten über den Hof wie vergilbte Gebete. Die Nachbarin erzählte mir, dass sie einen jungen Mann gesehen habe, der abgeführt wurde, seine Hände hinter dem Rücken zusammengebunden, er selbst blutend. Ich spürte eine Taubheit in mir, als ob ein Teil der Welt abgeschnitten worden wäre.
Über Radio hörte ich, dass ein offizielles Statement aus dem Palast kam. Er sprach von der Notwendigkeit, Ordnung wiederherzustellen, und von Maßnahmen gegen jene, die Chaos säen. In den Worten klang etwas, das ich nicht greifen konnte - eine Rechtfertigung, die die Wunde in mir nicht heilten ließen. Für uns klang das wie ein Deckmantel. Wir sind die, die leiden, und trotzdem werden die, die Gewalt anwenden, als Rettende dargestellt.
Die Gerüchte liefen wie ein Lauffeuer durch die Nachbarschaft: Festnahmen überall, Leute, die nie wieder gesehen wurden, andere, die mit blauen Flecken nach Hause kamen. Ich ging zur Schule, weil ich wissen wollte, ob die Lehrerin sicher ist. Ihre Tür war verschlossen, einige Fensterläden zerschlagen; Papierfetzen wehten über den Hof wie vergilbte Gebete. Die Nachbarin erzählte mir, dass sie einen jungen Mann gesehen habe, der abgeführt wurde, seine Hände hinter dem Rücken zusammengebunden, er selbst blutend. Ich spürte eine Taubheit in mir, als ob ein Teil der Welt abgeschnitten worden wäre.
Über Radio hörte ich, dass ein offizielles Statement aus dem Palast kam. Er sprach von der Notwendigkeit, Ordnung wiederherzustellen, und von Maßnahmen gegen jene, die Chaos säen. In den Worten klang etwas, das ich nicht greifen konnte - eine Rechtfertigung, die die Wunde in mir nicht heilten ließen. Für uns klang das wie ein Deckmantel. Wir sind die, die leiden, und trotzdem werden die, die Gewalt anwenden, als Rettende dargestellt.

