Marschall, wir haben ein ernstes Problem. Wiederhole: ernstes Problem. Rehe - nein, Rentiere - in unserem Bereich fallen massenhaft tot um. Symptome begannen vor zehn Tagen, zuerst lethargisch, dann Fieber, schlurfender Gang, Apathie; innerhalb von 48-72 Stunden vollständiger Verfall. Am Abend: Zunge blass, Atem flach; Am Morgen: Tot auf der Weide. Ich habe die Zahlen: von unseren registrierte Herden ist derzeit mehr als jede Zweite betroffen, Todesrate lokal bis zu neunzig Prozent in betroffenen Gruppen.
Bestätigt: in akut befallenen Kontaktgruppen die Verlustrate bis zu neunzig Prozent. Auf Gesamtbestand gerechnet bewegen wir uns, je nach Sektor, zwischen 50 und 75 Prozent Verlust - das ist unsere Lage hier. Die Kadaver füllen die Weiden, die Verwesung setzt schnell ein, bereits bevor die Tiere bei den herrschenden Minusgraden komplett durchgefroren sind.
Massive Folgen. Die Rentiere sind hier nicht nur Wildvieh: sie sind Transport, Nahrung und Isolationsschutz. Ohne Nachschub durch die Tundra werden die nächsten Wochen kritisch: unsere Vorräte werden schnell knapp, wir müssen Rationen reduzieren. Außerdem brechen die lokalen Rentier-Trecks, die als Versorgungskorridore dienen, zusammen. Die Gegend ist praktisch unbewohnt - es gibt hier keine Dorfgemeinschaft, auf die zurückgegriffen werden könnte.
Ja, Marschall. Wir haben Gefangene in Teams zur Betreuung der Herden eingesetzt, eine Mischung aus Zwangsarbeit und ‚Wiederverwendung‘ ihrer Fähigkeiten. Bisher ergriffen wir Isolation; betroffene Herden wurden von Gefangenen getrennt.
Bisher keine systematischen Krankheitsfälle unter der Mannschaft oder den Gefangenen des Lagers. Zwei Wärter berichten über Übelkeit und Schwindel nach dem Bergen von Kadavern, aber das sind Einzelfälle, nicht verallgemeinerbar. Der Veterinär schlägt vor, eine Probenserie zu senden - Blut, Gewebe, Organproben - zur Analyse. Ich wiederhole: die Herden sind unsere primäre Nahrungs- und Transportquelle durch den Winter; wenn das weiter so geht, stehen wir in wenigen Wochen ohne verlässliche Versorgung da.